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Wahrnehmung als Teil von Lebenspraxis

Wahrnehmung als Lebenspraxis

Wahrnehmung wird oft als etwas Inneres verstanden, als etwas Abgetrenntes vom Alltag. Meditation, Achtsamkeit oder innere Arbeit werden dann schnell zu eigenen Bereichen, die neben dem eigentlichen Leben stehen. Für mich ist Wahrnehmung jedoch kein Zusatz und keine Praxis, die man einübt, sondern ein Teil davon, wie ich meinen Alltag gestalte.

Sie beginnt dort, wo ich bemerke, wie ich auf Dinge reagiere. Auf Informationen, auf Menschen, auf Anforderungen oder auf innere Spannungen. Diese Wahrnehmung entscheidet darüber, ob ich handle, reagiere oder innehalte. Und sie wirkt sich unmittelbar auf das aus, was ich tue oder lasse.

In meiner Lebenspraxis ist Wahrnehmung deshalb nichts Abgehobenes. Sie zeigt sich ganz konkret darin, ob ich merke, wann etwas zu viel wird, wann ich beginne, mich innerlich zu verspannen oder wann ich mich von äußeren Reizen treiben lasse. Oft geht es dabei nicht um große Einsichten, sondern um kleine, unscheinbare Momente, in denen ich spüre, dass ein Schritt zurück sinnvoller ist als ein weiterer nach vorn.

Innere Ordnung entsteht für mich nicht durch Techniken oder Konzepte. Sie entsteht dort, wo Wahrnehmung und Alltag miteinander verbunden bleiben. Wenn ich mir erlaube, nicht jede Anspannung sofort zu erklären oder zu lösen, sondern sie zunächst wahrzunehmen und einzuordnen. Das verändert den Umgang mit mir selbst und mit meiner Umgebung.

Ich habe gelernt, dass Wahrnehmung dann tragfähig wird, wenn sie nicht bewertet wird. Sobald ich beginne, innere Zustände einzuordnen in richtig oder falsch, gut oder schlecht, verliere ich den Kontakt zu dem, was tatsächlich da ist. Wahrnehmung als Teil von Lebenspraxis bedeutet für mich, präsent zu bleiben, ohne ständig eingreifen zu müssen.

Diese Haltung wirkt sich auch auf äußere Entscheidungen aus. Sie beeinflusst, wie viel ich mir zumute, wie ich mit Informationen umgehe und wie ich Prioritäten setze. Wahrnehmung hilft mir, mich nicht dauerhaft im Außen zu orientieren, sondern im eigenen Erleben einen verlässlichen Bezugspunkt zu haben.

Dabei geht es nicht um Rückzug oder Abgrenzung von der Welt. Im Gegenteil. Je klarer meine innere Wahrnehmung ist, desto ruhiger kann ich mich im Außen bewegen. Ich muss nicht alles filtern, kontrollieren oder regulieren, wenn ich merke, was in mir geschieht.

Wahrnehmung ist für mich deshalb kein eigener Bereich neben Selbstversorgung, Arbeit oder Alltag. Sie ist der Boden, auf dem all das steht. Ohne sie wird Lebenspraxis mechanisch. Mit ihr bleibt sie lebendig und anpassungsfähig.


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