Wandel wird oft erst dann ernst genommen, wenn er benannt werden kann. Wenn es Worte dafür gibt, Erklärungen, Modelle oder Prognosen. Als müsste man verstehen, was geschieht, um damit umgehen zu können. Vieles, was derzeit als Wandel beschrieben wird, folgt genau diesem Muster.
Für mich zeigt sich Wandel anders. Weniger in klaren Einschnitten oder großen Ereignissen, sondern in Verschiebungen. In dem, was sich langsam verändert, ohne sofort greifbar zu sein. In Fragen, die auftauchen, bevor es Antworten gibt. In Unsicherheiten, die nicht aufgelöst werden wollen.
In solchen Phasen hilft mir Deutung wenig. Sie gibt zwar scheinbar Orientierung, legt aber auch fest, wie etwas zu verstehen ist. Damit wird etwas geschlossen, das vielleicht offen bleiben müsste. Wandel verliert dann seine Beweglichkeit und wird schnell zu einer Geschichte, die man weitererzählt.
Beobachten fühlt sich für mich stimmiger an. Wahrnehmen, was sich zeigt, ohne es einzuordnen. Aushalten, dass manches noch keinen Namen hat. Diese Haltung verlangt Geduld, aber sie nimmt auch Druck heraus. Ich muss nichts erklären, um verbunden zu bleiben. Ich darf da sein, während sich etwas formt.
Im Alltag zeigt sich das ganz konkret. In Gesprächen, in Stimmungen, im eigenen Körper. Dinge fühlen sich anders an, bevor sie anders gedacht werden. Wenn ich mir erlaube, diese Zwischenräume wahrzunehmen, entsteht Orientierung auf einer anderen Ebene, als Gefühl von Stimmigkeit.
Wandel braucht für mich deshalb keine Deutung. Er braucht Aufmerksamkeit. Bereitschaft, Unsicherheit nicht sofort zu füllen. Und Vertrauen darauf, dass sich Klarheit nicht erzwingen lässt, sondern wächst. Manches bleibt lange offen. Manches klärt sich unerwartet. Beides gehört dazu.
Vielleicht ist genau das der Punkt, an dem größere Zusammenhänge greifbar werden - nicht durch Erklärungen, sondern durch das gemeinsame Aushalten von Offenheit. Durch Wahrnehmung, die nicht bewertet und durch eine innere Haltung, die Wandel nicht beherrschen will, sondern begleitet.
Wer sich mit Selbstversorgung und Haltbarmachung aus dem Garten intensiver beschäftigen möchte, findet im Bereich „Was mich begleitet“ weiterführende Räume und Kontexte.