Einfachheit wird oft missverstanden. Sie klingt nach Verzicht, nach Weniger und nach Einschränkung. Und nach einem Zurücknehmen, das etwas kostet. Lange Zeit habe ich selbst geglaubt, dass Einfachheit vor allem bedeutet, Dinge wegzulassen – Komfort, Auswahl, Möglichkeiten.
Mit der Zeit hat sich mein Blick darauf verändert. Nicht, weil ich asketischer geworden bin, sondern weil ich gemerkt habe, dass Einfachheit etwas ganz anderes meint. Sie ist keine Reduktion, sondern eine Form von Ordnung. Eine Entscheidung dafür, das Wesentliche sichtbar werden zu lassen.
Im Alltag zeigt sich das sehr konkret in der Art, wie ich mit Lebensmitteln umgehe, wie ich Dinge haltbar mache oder wie ich meinen Tagesablauf gestalte. Nicht alles, was möglich ist, muss auch genutzt werden. Nicht jede Option erhöht die Lebensqualität. Oft entsteht Entlastung genau dort, wo ich aufhöre, alles auszuschöpfen.
Einfachheit heißt für mich nicht, Dinge zu vermeiden, sondern Beziehungen zu klären. Meine Beziehungen zu Nahrung, zu Zeit, zu Energie und schließlich zu mir selbst. Wenn Abläufe überschaubar werden, entsteht Raum. Nicht als Leere, sondern als Beweglichkeit und dann werden Entscheidungen leichter, statt schwerer.
Gerade in der Selbstversorgung ist das deutlich spürbar. Es geht nicht unbedingt darum, möglichst viel selbst zu machen oder alles perfekt zu kontrollieren. Sondern darum, stimmige Wege zu finden. Methoden, die tragfähig sind, ohne ständig Aufmerksamkeit jeglicher Art zu fordern. Lösungen, die sich in den Alltag einfügen, statt ihn zu dominieren.
Auch jenseits von Ernährung und praktischen Fragen wirkt Einfachheit. Sie zeigt sich im Umgang mit Informationen, mit Meinungen oder mit Erwartungen. Wenn ich weniger erklären muss, weniger rechtfertigen, weniger vergleichen, wird mein innerer Raum ruhiger, weil das Wesentliche klarer wird.
Einfachheit ist deshalb kein Rückzug, sondern eine aktive Haltung und eine bewusste Auswahl dessen, was trägt. Sie verzichtet nicht auf Tiefe, sondern auf Überforderung. Einfachheit macht das Leben nicht kleiner, sondern begehbarer.
Für mich ist Einfachheit eine Form von Fürsorge. Selbstfürsorge - für den Körper, für die Aufmerksamkeit, für die eigene Wahrnehmung. Und vielleicht ist genau das ihr größter Wert: Sie reduziert nicht das Leben, sondern die Reibung, die entsteht, wenn zu viel gleichzeitig Raum beansprucht.
Selbstversorgt aus dem Garten – Onlinekongress.
Ein mehrtägiges Online-Format rund um Selbstversorgung, Boden, Ernährung und alltagstaugliche Wege in Richtung Eigenverantwortung. Unterschiedliche Perspektiven stehen nebeneinander, ohne auf einen „richtigen“ Ansatz festgelegt zu werden.
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