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Warum Einfachheit für mich wichtiger ist als Effizienz

Fermentiertes Gemüse + Notizblock

Ich habe lange gedacht, dass es bei Selbstversorgung vor allem um Effizienz geht.

Um Erträge, um Optimierung, um möglichst gute Ergebnisse mit möglichst wenig Aufwand.

Heute sehe ich das anders.

Effizienz ist ein technischer Begriff.

Er beschreibt, wie gut ein System unter bestimmten Bedingungen funktioniert.

Aber er sagt nichts darüber aus, wie robust dieses System ist, wenn sich Bedingungen ändern.

Mich interessieren Systeme, die auch dann noch funktionieren, wenn nicht alles ideal läuft.


Deshalb suche ich nicht nach der effizientesten Lösung, sondern nach der einfachsten, die im Alltag tragfähig ist.

Einfach heißt für mich nicht primitiv oder beliebig.

Einfach heißt: überschaubar, nachvollziehbar, reparierbar.

Viele Lösungen wirken auf dem Papier effizient.

Sie sparen Zeit, Energie oder Ressourcen – solange alles genau so läuft, wie es vorgesehen ist.

In der Praxis erfordern sie oft Aufmerksamkeit, Wartung, Planung und Abhängigkeiten, die man leicht unterschätzt.

Einfachere Systeme verzeihen mehr.

Sie funktionieren auch dann noch, wenn man müde ist, wenig Zeit hat oder etwas schiefgeht.

Und genau das macht sie für mich wertvoll.

Beim Haltbarmachen von Lebensmitteln ist mir das besonders deutlich geworden.

Ich habe Methoden kennengelernt, die technisch beeindruckend sind und sehr kontrollierte Ergebnisse liefern.

Aber viele davon setzen voraus, dass man ständig eingreift, überwacht oder nachjustiert.

Ich habe gemerkt, dass mir das nicht liegt.


Ich möchte Prozesse verstehen, nicht kontrollieren.

Ich möchte wissen, was passiert – und dann Raum lassen, damit es passieren kann.

Einfachheit bedeutet für mich auch, nicht alles selbst machen zu müssen.

Selbstversorgung heißt nicht, jede Lösung zu beherrschen oder jede Methode anzuwenden.

Es heißt, bewusst auszuwählen, was ins eigene Leben passt – und was nicht.

Ich sammle lieber Wissen als Anleitungen.

Denn Anleitungen funktionieren immer nur im Kontext, für den sie geschrieben wurden.

Verständnis hingegen lässt sich übertragen, anpassen und weiterentwickeln.

Wenn ich verstehe, warum etwas funktioniert, kann ich entscheiden,

ob und wie ich es in meinen Alltag integriere.

Das gibt mir Sicherheit – nicht die perfekte Umsetzung.

Deshalb empfinde ich Einfachheit nicht als Verzicht, sondern als Entlastung.

Sie reduziert die Anzahl der Entscheidungen, die ich treffen muss.

Sie macht Abläufe ruhiger.

Und sie lässt Platz für Beobachtung statt Optimierung.

Ich habe gelernt, dass nicht jede Verbesserung eine Vereinfachung ist.

Und dass nicht jede Vereinfachung ein Rückschritt sein muss.

Für mich ist Einfachheit kein Ziel, das man erreicht.

Sie ist eine Haltung, mit der man auf Lösungen schaut.

Und diese Haltung hilft mir, mich nicht in Möglichkeiten zu verlieren,

sondern das zu wählen, was im eigenen Leben wirklich tragfähig ist.


Wer sich mit Selbstversorgung und Haltbarmachung aus dem Garten intensiver beschäftigen möchte, findet im Bereich „Was mich begleitet“ weiterführende Räume und Kontexte.

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