Wenn von Wandel die Rede ist, geht es oft um Erklärungen. Um Ursachen, Zusammenhänge, Prognosen. Viele versuchen, das Große greifbar zu machen, indem sie es benennen, einordnen oder bewerten. Ich habe gemerkt, dass mich genau das zunehmend zurückhaltend macht.
Größere Zusammenhänge interessieren mich sehr. Gesellschaftliche Entwicklungen, Verschiebungen in Werten, im Umgang miteinander, im Verhältnis zur Natur, zur Technik, zum Körper. Ich beobachte diese Bewegungen aufmerksam, aber ich habe aufgehört, sie deuten zu wollen.
Nicht, weil sie unwichtig wären. Sondern weil Deutungen schnell etwas Abschließendes bekommen. Sie vermitteln das Gefühl, verstanden zu haben, wo man vielleicht erst beginnen sollte, wahrzunehmen.
Beobachten heißt für mich, Entwicklungen nebeneinander stehen zu lassen. Widersprüche auszuhalten. Nicht sofort zu entscheiden, was richtig oder falsch, gut oder schlecht, hoffnungsvoll oder bedrohlich ist. Wandel verläuft selten linear, und er lässt sich nicht auf eine einzige Erklärung reduzieren.
Ich erlebe, dass viele Menschen nach Orientierung suchen, gerade wenn sich äußere Strukturen verändern. Oft wird dann nach klaren Antworten gegriffen, nach Erklärungen, die Halt versprechen. Für mich entsteht Halt eher dort, wo ich mir erlaube, nicht alles einordnen zu müssen.
Größere Zusammenhänge zeigen sich oft nicht in einzelnen Ereignissen, sondern in leisen Verschiebungen. In Stimmungen, in wiederkehrenden Themen, in Fragen, die plötzlich von vielen gestellt werden. Diese Ebenen lassen sich schwer benennen, aber sie lassen sich wahrnehmen.
Ich beobachte Wandel deshalb weniger, um Schlüsse zu ziehen, sondern um verbunden zu bleiben. Mit dem, was sich zeigt, ohne es festzuschreiben. Mit anderen Menschen, ohne gemeinsame Deutungen vorauszusetzen. Mit mir selbst, ohne sofort eine Position einnehmen zu müssen.
Das Nicht-Deuten ist für mich kein Rückzug. Es ist eine Form von Wachheit. Eine Bereitschaft, Entwicklungen offen zu begleiten, statt sie vorschnell zu erklären. Manches klärt sich mit der Zeit. Anderes bleibt offen. Beides darf sein.
So wird Wandel für mich nicht zu etwas, das verstanden oder bewältigt werden muss, sondern zu einem Raum, in dem Wahrnehmung, Fragen und Unsicherheit ihren Platz haben. Und genau dort entsteht für mich Verbindung – nicht über Antworten, sondern über gemeinsames Beobachten.
Wer sich mit Selbstversorgung und Haltbarmachung aus dem Garten intensiver beschäftigen möchte, findet im Bereich „Was mich begleitet“ weiterführende Räume und Kontexte.