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Warum ich nicht erkläre, was ich tue

Warum ich nicht erkläre, was ich tue

Es gibt viele Situationen, in denen Erklärungen Sicherheit versprechen. Für andere – und oft auch für uns selbst. Eine Einordnung, ein Rahmen, ein „Warum“ soll helfen, Dinge besser zu verstehen und einzuordnen. Lange Zeit habe ich geglaubt, dass genau das notwendig ist: erklären, begründen, transparent machen, damit niemand irritiert zurückbleibt.

Mit der Zeit habe ich gemerkt, dass Erklärungen nicht immer klären. Manchmal nehmen sie etwas weg. Vor allem dann, wenn es um Wahrnehmung, innere Prozesse oder leise Bewegungen geht, die sich nicht eindeutig benennen lassen.

Ich erkläre nicht, was ich tue, weil vieles von dem, was mir wichtig ist, sich im Tun selbst zeigt. Nicht als Botschaft, nicht als Methode, sondern als Erfahrung. Sobald ich beginne, das zu übersetzen oder festzuschreiben, verschiebe ich den Schwerpunkt: weg vom Erleben, hin zur Deutung.

Wahrnehmung braucht keinen Kommentar. Sie entsteht dort, wo etwas gesehen, gespürt oder bemerkt wird, ohne sofort eingeordnet zu werden. Wenn ich beginne zu erklären, was etwas „bedeutet“, nehme ich dem Gegenüber die Möglichkeit, eine eigene Beziehung dazu zu entwickeln. Ich liefere dann nicht Orientierung, sondern eine Richtung.

Das Weglassen von Erklärungen ist deshalb keine Verweigerung. Es ist eine bewusste Entscheidung. Eine Entscheidung dafür, Raum zu lassen. Für Unsicherheit, für Fragen, für eigene Gedanken. Für das, was sich nicht sofort benennen lässt, aber trotzdem da ist.

Im Alltag zeigt sich das ganz konkret. In Gesprächen, in Texten, in kurzen Momenten der Sichtbarkeit. Ich lasse Dinge stehen, ohne sie abzurunden. Nicht aus Nachlässigkeit, sondern aus Respekt vor der Eigenwahrnehmung anderer. Nicht alles, was auftaucht, braucht eine Einordnung. Manche Dinge wirken gerade deshalb, weil sie offen bleiben.

Ich habe gelernt, dass viele Menschen sehr gut spüren, was für sie stimmig ist – wenn man ihnen nicht zu schnell sagt, wie sie etwas verstehen sollen. Nicht-Erklären ist für mich deshalb eine Form von Vertrauen. In den eigenen Prozess und in den der anderen.

Das bedeutet nicht, dass alles vage oder beliebig ist. Es bedeutet nur, dass Bedeutung nicht von außen vergeben wird. Sie entsteht im Kontakt. Im Lesen, im Wahrnehmen, im eigenen Nachspüren.

Deshalb erkläre ich nicht, was ich tue. Ich tue es – und lasse es wirken.

Wer etwas darin findet, darf es behalten.

Wer nichts damit anfangen kann, darf weitergehen.

Beides ist in Ordnung.


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