Selbstversorgung wird oft mit Angst in Verbindung gebracht. Mit Sorgen um die Zukunft, mit Unsicherheit oder mit dem Bedürfnis, sich abzusichern. Ich verstehe, woher dieser Gedanke kommt, und dennoch beschreibt er nicht das, was ich selbst erlebe.
Wenn Selbstversorgung aus Angst entsteht, wird sie eng. Dann geht es ums Sammeln, Horten und Kontrollieren. Nicht um Versorgung, sondern um Beruhigung. Das kann sich kurzfristig stabil anfühlen, wird aber auf Dauer anstrengend.
Für mich hat Selbstversorgung einen anderen Ursprung. Sie entsteht nicht aus dem Wunsch, mich gegen etwas zu schützen, sondern aus dem Bedürfnis, handlungsfähig zu bleiben. Nicht im Sinne von Kontrolle, sondern im Sinne von Spielraum.
Ich möchte wissen, wie Dinge funktionieren. Nicht, um alles selbst machen zu müssen, sondern um nicht vollständig abhängig zu sein. Allein dieses Wissen verändert bereits meine innere Haltung. Es macht einen Unterschied, ob ich etwas kann oder ob ich etwas ständig tun muss, um ruhig zu bleiben.
Angst verengt den Blick, Selbstversorgung weitet ihn. Wenn ich weiß, wie ich Lebensmittel haltbar machen kann, muss ich es nicht permanent tun. Das Wissen allein schafft Ruhe, ohne Aktivität zu erzwingen.
Ich habe gelernt, diesen Unterschied ernst zu nehmen. Immer dann, wenn meine Beschäftigung mit Selbstversorgung getrieben wirkt, halte ich inne. Dann stimmt etwas nicht. Dann geht es weniger um Praxis als um ein inneres Ungleichgewicht.
Selbstversorgung, die aus Ruhe entsteht, fügt sich leicht in den Alltag ein. Sie drängt nicht, sie erlaubt Pausen, Unvollständigkeit und Lücken. Ich muss nicht alles anbauen, nicht alles einlagern und nicht alles wissen.
Es reicht, anschlussfähig zu bleiben – im eigenen Denken und im eigenen Handeln. Für mich ist das der Kern von Selbstversorgung: nicht auf jedes Szenario vorbereitet zu sein, sondern innerlich so aufgestellt zu sein, dass ich reagieren kann, ohne in Angst zu geraten.
Das ist keine Garantie, aber es ist eine Haltung, die trägt.
Zu Themen rund um Selbstversorgung und Lebenspraxis schaue ich mir gelegentlich Formate an, in denen unterschiedliche Perspektiven zusammenkommen.
Einer dieser Räume ist der Selbstversorgt aus dem Garten – Onlinekongress.
Wer sich mit Selbstversorgung und Haltbarmachung aus dem Garten intensiver beschäftigen möchte, findet im Bereich „Was mich begleitet“ weiterführende Räume und Kontexte.