Vor vielen Jahren, in einem anderen Leben mit anderen Bäumen vor der Tür, habe ich zum ersten Mal Waschmittel aus Rosskastanien hergestellt. Ich erinnere mich noch gut an den Moment, als ich die ersten Kastanien im Mixer zerkleinert habe und dachte: Das soll wirklich waschen? Es tut es. Und zwar erstaunlich gut.
Rosskastanien enthalten Saponine — natürliche, seifenähnliche Stoffe, die beim Kontakt mit Wasser Schaum bilden und Schmutz lösen. Dieselben Saponine, wegen derer man Rosskastanien nicht essen sollte, machen sie zu einem hervorragenden, komplett natürlichen Waschmittel. Kein Palmöl, keine synthetischen Tenside, keine Duftstoffe, die eigentlich niemand braucht — nur das, was vor der Haustür vom Baum fällt.
Warum der Herbst der beste Zeitpunkt ist
Rosskastanien fallen zwischen September und Oktober von den Bäumen, meist reichlich und meist ungenutzt. In den meisten Parks, an Alleen und Straßenrändern in Deutschland liegen sie zu dieser Zeit einfach herum, während die meisten Menschen achtlos daran vorbeigehen. Genau das macht dieses Waschmittel so besonders: Die Zutat kostet nichts, sie muss nur gesammelt werden.
Ich sammelte jeden Herbst so viele Kastanien, wie ich für die kommenden Monate brauchte, und trocknete einen Teil davon für später — dazu gleich mehr. Ein Nachmittagsspaziergang mit einer Tüte reichte meist für einen ordentlichen Vorrat.
Was du brauchst
- 15–20 Rosskastanien
- 500 ml Wasser
- Ein Mixer oder eine grobe Reibe
- Ein Sieb oder Tuch zum Abseihen
- Eine verschließbare Flasche
So geht's
Kastanien schälen (die braune Schale muss weg, das grün-weiße Innere bleibt) und grob zerkleinern — im Mixer geht das am schnellsten, notfalls funktioniert auch eine Küchenreibe. Die zerkleinerten Kastanien mit dem Wasser übergießen und mindestens acht Stunden, am besten über Nacht, ziehen lassen. In dieser Zeit lösen sich die Saponine ins Wasser und es entsteht eine trübe, leicht schäumende Flüssigkeit.
Anschließend durch ein feines Sieb oder ein Tuch abseihen, die festen Reste können kompostiert werden. Die fertige Flüssigkeit in eine Flasche füllen — das ist dein Waschmittel, einsatzbereit.
Dosierung und Anwendung
Für einen normal verschmutzten Waschgang reichen 100–150 ml der Flüssigkeit, direkt ins Waschmittelfach oder in die Trommel gegeben. Bei stark verschmutzter Wäsche kannst du die Menge erhöhen oder zusätzlich einen Esslöffel Waschsoda dazugeben. Das Kastanienwaschmittel wäscht sanft und ist besonders für empfindliche Haut geeignet, da es keine synthetischen Duft- oder Konservierungsstoffe enthält. Für stark fettige Flecken oder sehr weißes Gewebe ist es weniger geeignet — dafür greife ich weiterhin auf mein selbst gemachtes Waschmittel mit Kernseife und Waschsoda zurück.
Vorrat für den Winter anlegen
Die frisch angesetzte Flüssigkeit hält sich im Kühlschrank etwa eine Woche. Wer länger vorsorgen möchte, trocknet die geschälten und in Scheiben geschnittenen Kastanien an der Luft oder im Backofen bei niedriger Temperatur und bewahrt sie in einem luftdichten Glas auf. Getrocknet halten sie sich problemlos über Monate, und du kannst dir bei Bedarf immer wieder frische Waschflüssigkeit ansetzen, ganz ohne im Winter durch den nassen Park laufen zu müssen.
Eine Sache, die ich gelernt habe
Als ich das erste Mal Kastanienwaschmittel angesetzt hatte, war ich überrascht, wie wenig Schaum entsteht — ganz anders als bei herkömmlichem Waschmittel. Das hat mich zunächst verunsichert, ob es überhaupt wäscht. Es tut es trotzdem, denn die Reinigungswirkung der Saponine hat nichts mit Schaummenge zu tun. Das war für mich ein kleiner Moment des Umdenkens: Wir sind es gewohnt, Sauberkeit mit viel Schaum gleichzusetzen, weil Werbung uns das über Jahrzehnte beigebracht hat. Nötig ist er nicht.
Für wen sich das lohnt
Rosskastanien wachsen praktisch überall in Deutschland, an Alleen, in Parks, auf Schulhöfen. Wenn du also im Herbst spazieren gehst und ohnehin Kastanien unter deinen Füßen liegen siehst, kostet es dich nur ein paar Minuten, eine Tüte davon mitzunehmen. Für alle, die in Regionen ohne Rosskastanien leben oder einfach eine noch einfachere Alternative suchen, gibt es andere pflanzliche und selbst hergestellte Waschmittel-Varianten — dazu mehr in einem der nächsten Artikel.
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